Die Vielfalt der Gefühle fühlen

Zurzeit nehme ich viele Beiträge in den sozialen Medien oder in Newslettern wahr, die dafür plädieren, all unsere Gefühle zu fühlen. „Alle Gefühle sind gut“ – so ist der Tenor.


Das stimmt – allerdings unter einer wichtigen Voraussetzung!


Unter der Voraussetzung: ich kann mit meinen Gefühlen umgehen. Ich brauche inneres Handwerkszeug, um meine Gefühle zu verstehen. Ich benötige eine innere Landkarte, die mir den Weg weist von den Gefühlen zu meinen Bedürfnissen und zur Erfüllung meiner Bedürfnisse – wenn möglich. Ich benötige einen inneren Kompass, der mir die Richtung weist, wenn wichtige Bedürfnisse nicht sofort erfüllt werden können.

Denn wir alle, die im Leben bereits emotionale Krisen erlebt haben, wissen, dass Gefühle uns auch überfordern können. Gefühle wie Angst, Einsamkeit, Traurigkeit können heranrollen wie eine Welle. Diese Welle reißt uns mit, zieht uns ins tiefe Wasser und wir spüren den Boden unter den Füßen nicht mehr. Wir schnappen nach Luft, tauchen ab, bis sie uns irgendwann wieder am Strand absetzt.


Manchmal brauchen wir in solchen Zeiten fundierte therapeutische Hilfe. Manchmal haben wir solche Gefühle nur im Zusammenhang mit unserem Job. Dann tun wir gut daran, uns ein richtig gutes Coaching zu gönnen, um aus dieser Situation zu lernen und in ihr zu wachsen.

Manchmal hilft uns ein gutes Journal, schwierige Gefühle zu verstehen und sie als Dünger für unser inneres Wachstum zu nutzen.

Meist tauchen unsere Gefühle nicht einzeln und gut wahrnehmbar auf. Gerade schwierige Gefühle ballen sich gerne zu einem Klumpen zusammen. Man muss sich mit ihnen auseinander-setzen. Sie auseinander-nehmen, identifizieren, einzelnen Bedürfnissen zuordnen, sich um sie kümmern.

Kürzlich arbeitete ich in einer Trauerbegleitung mit einer Klientin an der Vielzahl ihrer Gefühle, die alle den Oberbegriff Trauer trugen. Aus einem Kartenset mit 20 Gefühlskarten (www.gefuehlskarten.com) sortierte sie lediglich 2 aus, die sie nicht bei sich spüren konnte. Alle anderen 18 Gefühle konnte sie bei sich erfühlen. Gleichzeitig - oder in kurzem Wechsel - gute und schwierige Gefühle. Ein Chaos, solange sie kein Mittel hatte, sich innerlich zu sortieren.


Doch da es die Mittel gibt: Menschen, die fundiert über Gefühle geschrieben haben, Therapeuten, Coaches und Begleiter, bleibe ich dabei: Es ist gut, alle Gefühle zu spüren. Es ist gut, sie zu versehen. Es ist richtig gut, aus ihnen zu lernen und an ihnen zu wachsen.

Nutze alles dazu, was dir hilft! Das Ergebnis wird eine große innere Klarheit sein.


Lebe frei, lebe jetzt, einen anderen Moment zum Leben gibt es nicht!



Warum dieses Journal?


Ich gebe zu, ich habe ein Faible fürs Lernen.


Am liebsten lerne ich über mich selbst. Ich will wissen, warum ich wann wie reagiere. Ich will wissen, warum ich wann wie fühle. Und ich will wissen, wozu das alles gut ist.


Das hat verschiedene Gründe. Zum einen bin ich selbst der Mensch, mit dem ich die allermeiste Zeit verbringe. Ich kann mir selbst nicht ausweichen. So manches Mal in meinem Leben habe ich mir gewünscht, ich könnte Urlaub von mir selbst nehmen. Meinem Urlaubsantrag wurde niemals stattgegeben. Also gab ich meinen Widerstand auf und beschloss, mich besser kennenzulernen und herauszufinden, wie ich es mir mit mir selber schön machen kann. Oder wenigstens gut aushaltbar.


Zum anderen habe ich im Studium zur sozialen Arbeit gelernt, dass ich selbst, meine Persönlichkeit, das Handwerkszeug in meinem Beruf bin. Ich stelle mich meinen Klient:innen mit meiner ganzen Person zur Verfügung; manchmal als Anker, manchmal als Beispiel, oft als Gegenüber. Sein Handwerkszeug sollte man kennen und beherrschen. Ein berühmter Musiker (Charlie Parker, Saxophon) sagte einmal: „First learn all about your instrument, then forget it all and just play.” Das war mein Auftrag und Ziel.


Ich begab mich also auf meine persönliche Heldenreise. Hinaus ins Offene, oder besser - hinein in mein Inneres. Ich erlebte mannigfaltige Abenteuer auf meinem Weg, von denen an der ein oder anderen Stelle sicher noch zu berichten sein wird. Ich erlebte Beziehungsabbrüche und -wiederaufnahmen, große Freude und tiefes Leid. Ich erlebte vermeintlich unaushaltbare innere Zustände, holte mir Hilfe und tauchte aus dunklen Wassern wieder ans Tageslicht.


Eine wichtige Erkenntnis aus diesem Prozess war, dass das Leben sehr viel einfacher sein könnte, wenn wir uns erlauben würden, mehr zu fühlen. Gerade die schwierigen und unerwünschten Gefühle, denn aus denen können wir am meisten lernen. Wie das geht, ist leider nicht Teil der Erziehung durch unsere Eltern gewesen, denn sie wissen es meist nicht. Es stand auf keinem Lehrplan während der Schulzeit und auch im Studium wurde nicht gelehrt, wie wir unser Handwerkszeug richtig kennenlernen können.


Ich fand durch die Erkundung meiner Gefühle und Bedürfnisse große Klarheit und Orientierung in meinem inneren Raum. Ich er-innerte mich an meine innere Freiheit und ich stellte sie wieder her. Dies ist ein Prozess, ein Weg, und für jeden ist dieser Weg unterschiedlich.

Mein zweites Faible ist das Schreiben strukturierter Tagebücher. Doch mit dem Boom, der aufgekommen ist, strukturierte Tagesplaner zu führen, bin ich nicht auf einer Wellenlinie. Es scheint mir beim Ausfüllen der vorgefertigten Kästchen, also wolle mich jemand in eine bestimmte Richtung ziehen oder dirigieren, ich soll mich verbessern, mein Selbst optimieren. Soll ich mehr leisten? Besser funktionieren?


Das ist nicht mein Anliegen!


Wenn du einen Prozess suchst, der dich zu mehr innerer Freiheit führt: dann bist du hier richtig!

Wenn du einen Prozess suchst, der deine Handlungsmöglichkeiten erweitert: dann bist du hier richtig!

Lass dich von mir inspirieren, lass dir einige Markierungen zeigen auf dem inneren Weg, aber denke an eines: gehe immer deinen eigenen Weg!


Lebe frei, lebe jetzt, einen anderen Moment zum Leben gibt es nicht!